Austrian Defence Monitor

Wie verteidigungsfähig ist Österreich? 15 von 23 Indikatoren liegen unter dem Mindestziel.

Der Austrian Defence Monitor misst den Zustand der österreichischen Umfassenden Landesverteidigung – militärisch, zivil, wirtschaftlich und geistig.

Luftaufnahme über Wien: Helios-Statue auf der Kuppel des Naturhistorischen Museums, dahinter Volksgarten, Burgtheater und die Innenstadt im Morgenlicht

Die Ergebnisse

Wie gut wäre Österreich auf eine ernsthafte Krise vorbereitet – militärisch, zivil, wirtschaftlich und gesellschaftlich? Der Austrian Defence Monitor misst die Umfassende Landesverteidigung an 23 Indikatoren und stellt jeweils den öffentlich belegbaren Ist-Zustand einem Mindest- und einem Optimalziel gegenüber. Das Ergebnis ist ernüchternd: 16 der 23 Indikatoren liegen unter dem Minimum, nur drei erreichen das Optimum, für einen weiteren gibt es keine öffentlichen Daten.

Am deutlichsten ist der Rückstand im Militärischen. Alle zehn Indikatoren mit belegbarem Wert verfehlen das Mindestziel. Bodengestützte Luftverteidigung mittlerer und großer Reichweite fehlt ebenso wie bewaffnete Drohnen, statt mindestens 36 stehen 15 Kampfflugzeuge zur Verfügung. Die Mobilmachungsorganisation umfasst rund 55.000 Soldatinnen und Soldaten; wie viele davon binnen 48 Stunden einsatzbereit wären, ist öffentlich nicht ausgewiesen. Angestrebt sind mindestens 75.000. Das Verteidigungsbudget liegt bei 1,2 Prozent des BIP.

Auch der Schutz der Bevölkerung ist lückenhaft: Schutzraumplätze gibt es für etwa fünf Prozent der Menschen im Land, das Mindestziel liegt bei 70 Prozent. Nur die Hälfte der Bevölkerung hat einen Lebensmittelvorrat für den Krisenfall angelegt. Wie viele Krankenhausbetten bei einem Ausfall der Infrastruktur 72 Stunden lang weiterbetrieben werden könnten, ist öffentlich nicht bekannt. Eine Stärke sind die rund 320.000 aktiven Katastrophenschutzkräfte, getragen vor allem von den freiwilligen Feuerwehren.

Vergleichsweise robust zeigt sich die wirtschaftliche Landesverteidigung. Die strategische Gasreserve reicht für 90 Tage und erreicht damit das Optimum, Treibstoffreserve und Streuung kritischer Importe erfüllen das Mindestziel. Schwachstellen bleiben die gesichert verfügbare heimische Stromerzeugung und die Abhängigkeit bei Halbleitern aus China, Hongkong und Taiwan.

Gespalten ist das gesellschaftliche Fundament. 89 Prozent halten die Demokratie für die beste Staatsform, 70 Prozent beurteilen das Bundesheer positiv. Doch nur 35 Prozent sind mit dem politischen System zufrieden, und nur 32 Prozent wären bereit, Österreich mit der Waffe zu verteidigen.

Das Lagebild

Wo Österreich bei jedem Indikator steht – auf einen Blick. Ein Klick auf einen Indikator führt direkt zu Werten, Zielen und Quellen.

Methodik

Der Austrian Defence Monitor ist der Versuch, ein möglichst breites, auf dem Gedanken der Resilienz beruhendes Bild der österreichischen Verteidigungsfähigkeit zu zeichnen. Dabei stehen wir vor einem grundlegenden Zielkonflikt: Verteidigungsfähigkeit ist komplex und umfasst eine Vielzahl militärischer, staatlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktoren. Gleichzeitig soll der Monitor verständlich, nachvollziehbar und überschaubar bleiben. Er kann daher kein vollständiges Abbild der Wirklichkeit liefern.

Wir verstehen den Monitor deshalb vor allem als Ausgangspunkt für eine sachliche Diskussion darüber, was Österreich für eine umfassende Verteidigungsfähigkeit benötigt – und welche Schritte dafür noch zu setzen sind. Damit knüpft er an die Erklärung des Austrian Defence Lab vom 26. Oktober 2026 an. Hinweise, Kritik und Vorschläge zur Weiterentwicklung des Monitors sind ausdrücklich willkommen.

Was der Monitor nicht abbildet

Der Monitor verwendet ausschließlich öffentlich zugängliche Informationen. Damit sind seiner Aussagekraft bewusst Grenzen gesetzt. Einige für die Verteidigungsfähigkeit zentrale Faktoren können nicht sinnvoll bewertet werden, weil keine ausreichend belastbaren öffentlichen Daten vorliegen. Andere Bereiche werden bewusst nicht oder nur in geringer Detailtiefe dargestellt, wenn eine Veröffentlichung Rückschlüsse auf konkrete Schwachstellen oder Fähigkeiten Österreichs ermöglichen könnte.

Ein Beispiel ist die Aufrechterhaltung der staatlichen Führungsfähigkeit in einer schweren Krise („continuity of government“), die international zu den grundlegenden Voraussetzungen staatlicher Resilienz zählt. Ähnliches gilt für Teile der nachrichtendienstlichen und Cyber-Fähigkeiten Österreichs sowie für bestimmte Aspekte der militärischen Mobilität und Logistik. Gerade dort kann eine detaillierte öffentliche Darstellung bestehender Kapazitäten, Verwundbarkeiten oder Engpässe selbst sicherheitspolitisch problematisch sein.

Aus diesem Grund enthält der Monitor auch mehr Input- als Outputindikatoren. Die vorhandenen Ressourcen und Kapazitäten eines Staates – etwa Personal, Systeme oder Reserven – lassen sich öffentlich meist besser erfassen als die Frage, welche konkrete militärische oder staatliche Leistung daraus im Krisen- oder Verteidigungsfall tatsächlich entsteht. Gerade diese Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit wäre jedoch für eine vollständige Bewertung besonders relevant.

Bewusste Auswahl

Nicht jeder grundsätzlich relevante Bereich benötigt zudem einen eigenen Indikator. Der Monitor konzentriert sich insbesondere auf Felder, in denen Defizite, Entwicklungsbedarf oder eine relevante politische Diskussion bestehen. Fähigkeiten, die nach heutiger Einschätzung solide funktionieren und bei denen ein breiter fachlicher Konsens über ihre Leistungsfähigkeit besteht, werden teilweise nicht gesondert abgebildet. Beispiele dafür sind derzeit die Warnung der Bevölkerung oder wesentliche Teile der Trinkwasserversorgung.

Auch innerhalb der aufgenommenen Bereiche erhebt der Monitor keinen Anspruch darauf, jede Fähigkeit in der fachlich möglichen Granularität abzubilden. Wo eine detailliertere Analyse zwar fachlich interessant, für das Gesamtbild aber nur begrenzt notwendig oder aus Sicherheitsgründen problematisch wäre, verwenden wir bewusst gröbere Indikatoren.

Szenarien und Zielwerte

Eine vollständige Bewertung der österreichischen Verteidigungsfähigkeit müsste idealerweise von konkreten Bedrohungs- und Einsatzszenarien ausgehen und daraus ableiten, welche Fähigkeiten und Kapazitäten Österreich unter unterschiedlichen Bedingungen benötigt. Dafür gibt es bereits wichtige Vorarbeiten: etwa die Szenarien und Planungsannahmen rund um „Unser Heer 2030“ sowie zahlreiche öffentlich geführte Debatten und Analysen seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Eine solche szenariobasierte Fähigkeitsplanung ist jedoch komplex. Je nach Annahmen über Bedrohung, Vorwarnzeit, Dauer eines Konflikts, internationale Unterstützung oder die konkrete Rolle Österreichs ergeben sich sehr unterschiedliche Anforderungen. Diese Szenarien im Rahmen des Monitors belastbar zu entwickeln und daraus quantitative Zielwerte für sämtliche Indikatoren abzuleiten, würde den derzeitigen Anspruch und Umfang des Projekts deutlich überschreiten.

Wir haben uns daher zunächst für einen pragmatischeren Ansatz entschieden. Die Mindest- und Optimalwerte orientieren sich – je nach Indikator – am Aufbauplan des Bundesheeres, an bestehenden österreichischen Zielsetzungen, am Vergleich mit strukturell ähnlichen Staaten sowie an Ländern, die in einzelnen Bereichen als internationale Vorreiter gelten. Die jeweilige Herleitung wird beim einzelnen Indikator offengelegt.

In einer zukünftigen Weiterentwicklung des Monitors möchten wir diese Methodik um szenariobasierte Anforderungen ergänzen. Damit ließe sich stärker beantworten, welche Fähigkeiten Österreich nicht nur abstrakt benötigt, sondern was unter konkreten Krisen- und Konfliktbedingungen tatsächlich ausreichen würde.

Transparenz der Bewertung

Für jeden Indikator legen wir offen, was gemessen wird, welche Daten verwendet werden und wie die jeweiligen Mindest- und Optimalwerte zustande kommen. Die gesetzten Zielwerte sind damit keine unhinterfragbaren Vorgaben, sondern begründete Referenzwerte. Auch sie sollen Teil der Diskussion sein und können mit neuen Erkenntnissen und besseren Daten weiterentwickelt werden.

Legende

Ist-Zustand

Der aktuelle, aus öffentlich zugänglichen Quellen belegbare Wert. Was nicht öffentlich dokumentiert ist, wird als Datenlücke ausgewiesen und nicht geschätzt.

Minimum

Der Wert, unterhalb dessen die jeweilige Fähigkeit nicht mehr ausreicht. Bei jedem Indikator ist ausgewiesen, woher der Wert stammt – etwa aus dem Aufbauplan, einer EU-Vorgabe oder einer eigenen Setzung des ADL.

Optimum

Ein ambitioniertes, aber erreichbares Zielbild, meist orientiert an europäischen Best Practices. Jede Annahme ist im jeweiligen Indikator begründet.

Herkunft der Zielwerte

Bessere Daten oder sachdienliche Hinweise? Schreiben Sie uns

Entwurf · Datenstand: Oktober 2026. Der Monitor ist ein Ausgangspunkt für die Debatte und wird laufend erweitert – um weitere Indikatoren, Zeitreihen und eine europäische Vergleichsdimension.

Für Medien

Medien sowie Journalistinnen und Journalisten können Daten, Ergebnisse und Grafiken des Austrian Defence Monitor gerne für ihre Berichterstattung verwenden und einbinden – unter der Voraussetzung, dass das Austrian Defence Lab als Quelle genannt und, wo möglich, auf austriandefencelab.org/monitor verlinkt wird.

Alle Grafiken als Download (ZIP)